Eine Stadt für alle

Letzten Monat haben wir es in den „Freitag“ geschafft:

Antonia Märzhäuser | der Freitag | Nr. 21 | 24. Mai 2017

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Aktivisten und Politiker kämpfen neuerdings Hand in Hand gegen Immobilienspekulanten. Zum Beispiel in Leipzig

Der Hype um Leipzig ist der Georg-Schwarz-Straße nicht anzusehen. Die Imbissbude ist verrammelt, der Bürgersteig leergefegt, die Khaki-Windjacken eines an der Tramhaltestelle wartenden Rentnerpaares sind die einzigen Farbflecken weit und breit. Die Fassaden der Häuser bröckeln schon seit einigen Jahrzehnten auf den Gehweg. Ödnis oder morbider Charme – der hiesige Stadtteil Leutzsch jedenfalls bleibt einstweilen noch verschont von rasanten Mietsteigerungen wie im Zentrum, wo es zwischen 2003 und 2015 um knapp 40 Prozent auf mehr als zehn Euro pro Quadratmeter hochging, oder in Connewitz um fast 20 Prozent auf knapp unter neun Euro.

Leipzig ist eine der am stärksten wachsenden Städte Deutschlands. Lange hatte sie mit Abwanderung und Leerstand zu kämpfen, doch Letzterer ist zwischen 2011 und 2014 von 39.000 auf 22.000 Wohnungen gesunken. Schon 2020 wohl wird es in Leipzig überhaupt keinen Leerstand mehr geben. Die einen sprechen von einer neuen Dynamik auf dem Immobilienmarkt, die anderen vom drohenden Ausverkauf.

Das Hausprojekt Solidarisch Organisiert Leben Leipzig, kurz SOL, ist noch neu in der Georg-Schwarz-Straße. Der Altbau mit kleinem Garten im Hof ist das Ziel einer langen Reise – mehr als vier Jahre hat die Gruppe nach einer geeigneten Immobilie für das gemeinsame Leben gesucht. Sie stand bereits in Verhandlungen über den Kauf eines Hauses in Berlin-Neukölln, doch der Verkäufer entschied sich dann doch für Investoren und deren Bau von Eigentumswohnungen. „Als wir gesehen haben, dass selbst große Hausprojekte, die viel mediale Aufmerksamkeit bekommen haben, an den Vergabeverfahren scheiterten, haben wir aufgegeben“, sagt ein Mitglied von SOL. Sie gehört zum Teil der Gruppe, der nach Leipzig zog und dort nach zwei weiteren Jahren Suche, im Dezember 2016, einen Kaufvertrag für das Haus in Leutzsch unterschreiben konnte, mit dem Voreigentümer aus Bayern. 13 Mitglieder zählt SOL jetzt, das jüngste gerade geboren, das älteste 35 Jahre alt.

Im kleinen Ladenlokal im Erdgeschoss befindet sich die provisorische Bauplanungszentrale. Bis vor kurzem bullerte hier der Kohleofen, weil es im Rest des Hauses noch bitterkalt war. Jetzt läuft die Kaffeemaschine ohne Pause. An den Wänden hängen Baupläne, Aufgabenlisten und Telefonnummern von Architekten und Handwerkern. Nach Jahren des Leerstands ist das Haus von einem bewohnbaren Zustand weit entfernt. Jeder macht hier so viel, wie er kann und das klappt bisher erstaunlich gut. In den oberen Stockwerken reißen Helferinnen gerade Tapeten von den Wänden. Die Renovierung ist für alle ein riesiger Lernprozess. Bereits die Genehmigung eines Bauschuttcontainers lässt einen Berg an Dokumenten entstehen. Das verdirbt hier niemandem den Humor. Die Gruppe hat einen Kuriositätenschrein eingerichtet, in dem sich Keller-Fundstücke stapeln: alte Gipsgebisse, Kinderbücher aus der DDR, stapelweise Unterlagen.

Wohnraum für 20 Menschen soll in den oberen Etagen entstehen, das Ladenlokal ein öffentlicher Ort werden; ein Café fehlt auf diesem Abschnitt der Straße noch. Bei den Nachbarn haben sich die Neuen schon vorgestellt, haben mit Infozetteln Klinken geputzt. „Schön, dass da endlich mal was passiert in dem Haus“, hätten viele gesagt.

Das SOL-Projekt macht das, was es braucht in der sich verschärfenden Krise des Rechts auf Wohnen und Stadt: Es schafft Raum zum Leben, der vor Spekulation und Ausverkauf sicher ist. Dafür sorgt das in den 1980ern gegründete Mietshäuser-Syndikat. 130 Hausprojekte gehören dem Verbund mittlerweile an, seit Anfang des Jahres auch SOL. Zahlreiche Vereine und Genossenschaften scheitern mit ihren Vorhaben bereits an bürokratischen Fristen, wie sie für Investoren leicht zu stemmen sind. Von der größten Hürde, einem geeigneten Finanzierungsmodell, ganz zu schweigen. Um im Syndikat aufgenommen zu werden, müssen die Mitgliedshäuser eine GmbH gründen, deren Hauptgesellschafter ein Verein ist, dem die Bewohner des Hauses angehören. Die andere Hälfte der Anteile erwirbt die Syndikats-GmbH. Deren Gesellschafter ist ein Verein, in dem alle Hausvereine und einige Aktivisten Mitglieder sind. Das Modell erleichtert es den Hausprojekten, Kredite von der Bank und Direktdarlehen aus dem Bekanntenkreis zu bekommen, und schiebt horrenden Mietsteigerungen und einem späteren Wiederverkauf per Veto-Recht einen Riegel vor.

Dass solche Netzwerkstrukturen helfen können, weiß in Leipzig heute auch die Stadtverwaltung. Ihr 2015 verabschiedetes wohnungspolitisches Konzept sieht die Stärkung kooperativer Wohnformen über Beratungsangebote und die Vergabe von Liegenschaften im Konzept- statt im Höchstpreisverfahren vor. 2016 schufen Stadt und Zivilgesellschaft gemeinsam das Netzwerk Leipziger Freiheit, dem Vereine wie „HausHalten“ und „Haus- und Wagerat“ angehören. Wenn deren Vertreter nun ihre Expertise für Hausprojektgruppen zur Verfügung stellen, dann bezahlt die Stadt Honorare; früher erfolgte diese Beratung meist unentgeltlich.

Im August startet die Ausschreibung der ersten beiden städtischen Grundstücke, um die sich nur auf Gemeinschaftseigentum ausgerichtete Projekte bewerben dürfen. „Geschützter Markt“ nennt die Stadt den Ansatz, und geschützt werden sollen die Projekte insbesondere vor Konkurrenz mit großen kommunalen Wohnungsbaugesellschaften. Allein auf die setzen derzeit viele Städte, um den Bedarf zu decken.

In Berlin-Lichtenberg etwa baut die städtische Howoge gerade 136 Mietwohnungen in einer alten Polizeiwache, die Vergabe war das erste Konzeptverfahren der Hauptstadt; zwei Jahre lang hatte sich die Initiative Kultwache Rathausstern um das Grundstück bemüht; am Ende war sie chancenlos gegen die Howoge.

Zwar bewegt sich auch in Berlin derzeit einiges in Sachen Wohnungspolitik: In Friedrichshain-Kreuzberg amtiert seit kurzem Florian Schmidt als Bezirksbaustadtrat, Stadtsoziologe und seit Jahren als Aktivist in der Liegenschaftspolitik unterwegs, ein Andrej Holm im Kleinen. Schmidt gilt als treibende Kraft dahinter, dass ein Wahrzeichen des Bezirks, das Neue Kreuzberger Zentrum am Kottbusser Tor mit Wohnraum für 1.000 meist einkommensarme Mieter und 90 Gewerbeeinheiten, nicht an einen Privatinvestor geht, sondern an die landeseigene Gewobag. Nicht weit davon entfernt liegt das Dragoner-Areal, 49.000 Quadratmeter, die Berlin nun vom Bund übernehmen soll, um dort einige hundert Wohnungen zu bauen.

Die Zeit, in der Berlin seinem Haushalt zuliebe öffentliche Grundstücke und Wohnungen verschleuderte, ist zwar vorbei. Doch um die sozialen Folgekosten dieser Politik jetzt zu lindern und ihr Vorkaufsrecht für Grundstücke selbst auszuüben, fehlen den Bezirken in Zeiten der Schuldenbremse Mittel und Wege. Hausprojekte können höchstens mit Stiftungen als Geldgebern und Käufern improvisieren.

Es hapert noch an der Einbindung von zivilgesellschaftlichen Akteuren in Berlin – diese klagen etwa, es sei nicht einsehbar, nach welchen Kriterien Konzeptvergaben von Grundstücken denn geschehen sollen. Ein Leipziger Modell, welches Initiativen in der Stadt bündelt, kann sich der Regionalberater des Mietshäuser-Syndikats, Julian Benz, deshalb auch gut für die Hauptstadt vorstellen. Zunächst aber gelte es, die existierenden Ansätze sinnvoll auszubauen. „Ein generelles Vorkaufsrecht für Hausgemeinschaften, über Milieuschutzgebiete hinaus, wäre ein guter Anfang“, sagt Benz. Dazu bräuchte es einen Bodenfonds, der es dem Land ermöglicht, als Käufer aufzutreten, Grundstücke zu kommunalisieren und die Immobilien über das Erbbaurecht an Hausprojekte zu verkaufen.

Erbbauverträge erlauben die Trennung von Immobilie und Grundstück und stellen so einen Besitz auf Zeit dar. Diese Praxis war bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ein sozialpolitisches Instrument, geriet dann in Vergessenheit und erlebt jetzt, in Zeiten von Spekulation und Blasen, eine – noch viel zu kleine – Renaissance. Zum Beispiel in der Hildegardstraße im Osten Leipzigs, im HAL Atelierhaus.

An einem Frühlingsnachmittag liegt in dessen Gemeinschaftsraum der Duft von frischem Hummus in der Luft. Plakate mit arabischen Wörtern zeugen von vorangegangenen Deutschkursen. Jetzt ist es ruhig. Ein paar Häuser weiter liegt die Eisenbahnstraße, türkische Gemüseläden reihen sich dort an libanesische Imbisse. In den Teehäusern sitzen geschwätzige Männergruppen Tisch an Tisch mit Studierenden. Die Bürgersteige sind so belebt wie sonst nirgendwo in der Stadt. Die Eisenbahnstraße muss oft als Beispiel für notorische Kriminalität und gescheiterte Integration herhalten. Genau hier ist eines der ambitioniertesten Stadtteilprojekte Leipzigs zu Hause, das Menschen durch Kunst zusammenbringen will, die sich sonst nie begegnen würden. Zuletzt ist das HAL zur zentralen Anlaufstelle für die Belange von wohnungssuchenden Geflüchteten aus dem Viertel geworden.

Hinter dem Projekt steht der 2006 gegründete Verein Helden wider Willen, seit 2013 besitzt er die zwei „Hildehäuser“, Gründerzeitgebäude mit Wohnungen und Projekträumen. Ateliers, Vereinsräume, Gästewohnungen für Künstler und ein Gemeinschaftsraum verschmelzen zu einem Sozialunternehmen. Zwei Jahre lang hatte der Verein mit der Stadt gerungen, um den Erbbauvertrag zu bekommen.

Ariane Jedlitschka, die jetzt im Gemeinschaftsraum sitzt, hat den Verein mitgegründet. Das HAL Atelierhaus, die politische Anerkennung von Hausprojekten, die Verankerung in der Stadtentwicklungsstrategie Leipzigs? Sicherlich, ein richtiger Schritt, sagt Jedlitschka. „Aber er kommt einige Jahre zu spät.“ Sie musste in Leipzig schon die Vertreibung etlicher gemeinschaftlicher Projekte durch profitgetriebene Investoren miterleben. Und die Vergabe von Flächen an nicht auf Profit ausgerichtete Akteure startet zwar bald – aber eben mit gerade mal zwei Flächen. Was bringe ein Instrument zur Vernetzung, wenn kaum noch Immobilien verfügbar seien?

Das klingt pessimistisch, aber so ganz kann Ariane Jedlitschka die Hoffnung auf einen Wandel nicht verloren haben. Sonst hätte sie sich wohl kaum Ende 2016 auf eines der vielen Podien des Kongresses gesetzt, der da in Leipzig gastierte. „Immobilien für viele – Gemeinwohl gemeinsam gestalten“ war das Motto, mehr als 150 Leute aus ganz Deutschland, es war die erste Zusammenkunft dieser Art überhaupt: Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen, Beamte aus den Städten, Stifter, ethische Banker und viele Gemeinwohlakteure, vom Stadtbad Schwerte, das vor 20 Jahren Bürger übernahmen und so retteten, über Münchner Planer, für die die Bevorzugung von Genossenschaften längst Standard ist, bis zum selbstverwalteten Handwerkerhof in Hamburg-Ottensen.

Alle zusammen verabschiedeten am Ende fünf einfache Forderungen: „Mehr Boden! Gutes Geld! Andere Förderung! Passenderes Recht! Mehr Augenhöhe für Immovielien – Immobilien für viele!“

Eine Hauspost

Zwischen Bauschutt, Organisationstalent und der Suche nach neuen Mitbewohnis hier mal wieder eine Hauspost.

Das Jahr ging trubelig los. Wir haben viel Sekt getrunken. Am 15. Januar ging endlich das Haus am Ende der Georg-Schwarz-Straße in den Besitz der Sol-Leipzig GmbH über. Unser jüngster Mitbewohni hat (mit kleiner Unterstützung von seinem Papa) das Absperrband, das wir der Feierlichkeit halber aufgehängt hatten, durchgeschnitten. Danach Jubel, Sektdusche, ein paar Freudentränen. Ein Hausrundgang, durch unser Haus in dem man es aber aufgrund eisiger Temperaturen noch nicht so gut aushalten konnte.

Kurz darauf ging es dann auch schon los. Eine Bau-Ag gründet sich. 3 Menschen aus dem Projekt stellen zunächst die Bauleitung. Diese plus 4 weitere Menschen finden sich als Bau-Ag zusammen. Das Team ist komplett und wird so gut es geht von Bauhelfer_innen unterstützt. Dann also ran an die Arbeit!

Und das passiert. Die erste Aktion, die glücklicherweise schweißtreibend ist (draußen ist es immer noch sehr kalt), ist die Gartenrodung. Da taucht unter einer dicken Schicht aus Efeu und anderem Gehölz eine Terrasse auf, die circa die Hälfte unseres Gartens ausmacht. Ohne den halben Wald sieht dieser auch gar nicht mehr so klein aus. Ein Kompost-Klo wird geliefert, das von den umliegenden Häusern aus gut einsichtig ist, aufgrund seines Glasdachs. Naja, dumm gelaufen, dann lernen uns wenigstens die Nachbarinnen und Nachbarn einmal kennen.

Das Nachbarinnen und Nachbarn-Kennenlernprojekt sind wir dann auf anderem Wege auch bald angegangen. Mit Infoblättern haben wir Klinken geputzt, uns vorgestellt, erste kurze Gespräche geführt. Die Resonanz war überwiegend eine positive. „Schön, dass da endlich mal was passiert in dem Haus“, „Stand ja lange genug leer“. Und auch mit der Bäckereifachverkäuferin, die in der Bäckerei unmittelbar neben dem Haus arbeitet, haben wir bald einen sehr guten Kontakt, da wir zu Stammkund_innen werden die sich mit Kaffee, Pfannkuchen und Streuselkuchen eindecken. Ohne Mampf kein Kampf!

Währenddessen ist die Bau-Ag am rotieren: So eine riesen Baustelle will gut vorbereitet sein. Baustrom und -wasser werden installiert. Das Büro wird eingerichtet. Ein Ofen funktionstüchtig gemacht um über die letzten kalten Wochen zu kommen. Und dann der Papierkrieg: Allein um einen Container für den Bauschutt zu bekommen müssen ewige Formulare ausgefüllt und Telefonate geführt werden. Die Absurdität der deutschen Bürokratie wird langsam aber sicher deutlich. Aber es klappt und wir können kurz darauf mit der Entrümpelung beginnen. Wir errichten ein Kuriositäten-Schrein, da sich in so einem alten Haus neben richtig viel Müll auch eine ganze Menge lustiger Dinge finden. Das Highlight: im Keller stoßen wir auf Gebisse. Als der erste Schreck überwunden ist, stellen wir fest, dass es sich um Gipsgebisse aus der Zahnarztpraxis, die im ersten Stock war, handelt. Wir stellen sie also auf den Schrein neben alte Schnapsflaschen und DDR-Kinderbücher.

Neben der Baustelle laufen parallel die Vorbereiungen für die Aufnahme ins Mietshäuser-Syndikat (MHS). Mit einer tollen Projekt-Präsentation macht sich eine Autoladung Solis also auf ins schöne Tübingen. Schon wieder ein Ausflug nach Süddeutschland. Schon wieder steht dieser unter einem guten Stern: Alles läuft wie am Schnürrchen und wir sind nun Teil des MHS und somit in einem großen Verband anderer Hausprojekte und Gruppen, mit denen Ressourcen und Wissen geteilt werden kann.

Weiter geht’s im Hamsterrad. Putz wird geklopft, Tapete abgerissen, Müllsäcke geschleppt, Böden geöffnet, Wände eingerissen. Auch dank ein paar Einsätzen mit Bauhelfer_innen aus dem Freundeskreis ist mittlerweile schon einiges getan.

Ende März heißen wir dann unsere neue Mitbewohnerin willkommen: Zora kommt auf die Welt. Sie ist die einzige die es sich erlauben kann ein komplettes Treffen von 3 Stunden zu verpennen. Plenum kann manchmal ja auch echt langweilig sein;)

Auch sonst sind wir gerade im Kennenlernprozess und auf der weiteren Suche nach neuen Mitstreiter_innen und Menschen, die Lust haben mit uns das Haus am Ende der langen Straße zu bewohnen, zu beleben und zu gestalten.

Bis dahin liegt aber noch ein großer Berg Arbeit vor uns.

Die nächsten Bautage werden gerade geplant- wenn ihr von den Terminen erfahren möchtet, meldet euch bei uns, dann setzen wir euch auf unseren Bautage-Emailverteiler.

Auf verschiedenen Ebenen stecken wir also in einer intensiven, arbeitsreichen und lehrreichen Zeit. Viel davon ist Learning by Doing, manchmal auch Trial and Error. Aber wir machen uns bisher ganz gut! Und freuen uns natürlich immer sehr über tatkräftige Unterstützung auf der Baustelle!

Wohnraumfrage in den Mittelpunkt stellen- Kampagne des Initiativkreis: Menschen.Würdig.

Freudig werkeln wir fast Tag für Tag an unserem Haus und die Vorfreude auf das gemeinsame, selbstbestimmte Wohnen steigt.
Doch manchmal sollten wir uns wohl daran erinnern, dass die Verwirklichung dieser Idee ein großes Privileg darstellt. Vor allem wenn wir beispielsweise an die unzähligen Menschen denken, die in Massenunterkünften leben müssen.
Desshalbe wollen wir auf folgende Kampagne des Initiativkreis:Menschen.Würdig hinweisen, die fordert, die Wohnraumfrage vor allem von geflüchteten Personen in den Mittelpunkt zu stellen:
Initiativkreis: Menschen.Würdig.

Januar 2017- Baustart!

Pünktlich zum neuen Jahr gehts jetzt endlich richtig los.
Fast täglich rauchen die Köpfe unserer Bau-AG: Grundrisse werden final gezeichnet, Handwerker_innen gesucht und durchs Haus geführt, bald soll es die nötige Bau-Infrastruktur (Strom, Wasser und ein Büro) geben…

Aber wir haben auch schon Hand angelegt!
Und somit können wir euch unsere ersten Vorher-Nachher-Bilder präsentieren :) :

Gartenrodung vorher

Und dazwischen: Kettensäge

Wenn ihr Fragen, Anmerkungen, Unterstützungsangebote etc. rund um unsere Baustelle habt, oder auf unseren Bauhelfer_innen-Verteiler möchtet um immer schnell von unseren Bau-Events zu erfahren, dann meldet euch unter: bau@sol-leipzig.de

Gekauft

Fast wie ein Weihnachtsmärchen.

Es waren einmal ein dutzend einfacher Leute, die wollten so gerne aus ihren einsamen Hütten in ein großes, gemeinsames Haus ziehen. Doch all die großen Häuser gehörten einem Fürsten, der deren so viele besaß, dass er gar nicht in allen Häusern wohnen konnte, und sie stattdessen ungenutzt den bösen Geistern überließ. Dies geschah zu einer Zeit, in der all zu viel Gier nach Gold die Welt beherrschte.
Die einfachen Leute aber zogen aus und sammelten im ganzen Land Gold, um dem Fürsten wenigstens eines der Häuser abzuringen. Und da ihnen so viele Menschen wohlgesonnen waren, konnten sie sich bald auf den Weg machen, um das Gold mit dem Fürsten gegen ein Haus zu tauschen. Der Weg war länger als gedacht, einige unerwartete Täler mussten durchschritten werden, es vergingen zwei Sommer, und manch ein Stein den sie überwinden mussten, schien ihnen fast direkt von dem Fürsten vor die Füße gelegt worden zu sein. Am Ende aber, als die Eiszapfen schon von den Tannen hingen, gelang es ihnen, den Fürsten zu treffen. Sie übergaben ihm 375 volle Säcke Gold und machten sich dann sogleich daran, all die bösen Geister aus dem Haus zu vertreiben.
Die einfachen Leute, deren Freundinnen, Freunde, Söhne, Töchter, Enkelinnen, Enkel, Urenkel und Urenkelinnen lebten in dem Haus, ohne jemals wieder der Gier zu verfallen und es gegen Gold einzutauschen.
Was aber aus dem Fürsten wurde, und wie er es schaffte die 375 Säcke voller Gold ganz allein nach Hause zu tragen, und ob er davon glücklich wurde, das ist nicht überliefert…

Der Kaufvertrag ist unterschrieben, ein Haus in der Georg-Schwarz-Straße wird am 15.01.2017 vom Privatbesitz eines Eigentümers in Bayern in den gemeinschaftlichen Eigentum einer Hausgruppe in Leipzig übergehen.

An erster Stelle soll hier ein großes Dankeschön stehen. An alle, die unsere Gruppe über Jahre unterstützt haben und dies noch immer tun:
Danke an die Menschen, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen. Danke an diejenigen in schon bestehenden Hausprojekten, die ihre Erfahrungen mit uns teilen, und danke an unsere Beraterinnen vom Mietshäusersyndikat.
Danke an die inzwischen rund 80 Menschen, die uns mit kleinen und großen Direktkrediten unterstützen! Ohne euer Vertrauen wäre der Kauf nicht möglich gewesen.
Und nicht zuletzt danke an diejenigen, die daran geglaubt haben, dass das Projekt noch gelingen kann, in Momenten in denen wir vielleicht selbst kaum mehr daran geglaubt haben.

Wir freuen uns auf ein ereignisreiches Jahr 2017, mit sicherlich viel Arbeit, aber hoffentlich auch viel Freude daran.

Also bald an dieser Stelle- Neugikeiten von der Baustelle!