Von einem Kaufvertrag, der kein Aprilscherz ist

„Urgent: Ein Gerüst steht vor dem Haus. Unser Schlüssel passt nicht mehr ins Schloss.“

Ich lese diese Nachricht auf unserem Blog der uns als interne Kommunikationsplatform dient. Darunter erschrockene Kommentare: Wir wurden also doch über den Tisch gezogen. Der Hauseigentümer hat sein Wort nicht gehalten….
Da ich aber auch zu den jenigen gehöre, die sich heute schon einige Scherze erlaubt haben, brauch ich nicht mal auf den Kalender zu blicken: April-April. Ein Scherzkeks also…

Ein paar Monate sind nun seit unserem letzten Blogeintrag verstrichen. Zeit, euch mal wieder auf einen aktuellen Stand zu bringen. Es geht voran in großen Schritten und doch fehlt noch die alles entscheidende Unterschrift. Im Folgenden berichten wir nun von einem Kaufvertragsentwurf, von Fenstern, Böden und Balkonen und Landeanflügen. Aber der Reihe nach:


Kaufvertragsentwurf

Plötzlich gab es Post. Unauffällig in unser Email-Postfach kam der Kaufvertragsentwurf geflattert. Die Notarin von dem Hauseigentümer hat uns das 15-seitige Dokument mit freundlichen Grüßen zugesandt. Erst die Schlüsselkopie, jetzt der Vertrag. Wir kaufen wohl ein Haus!

Jetzt geht es darum mit unserem Anwalt den Vertrag auf Herz und Nieren zu prüfen und gegebenenfalls Änderungsvorschläge zu bringen. Und dann werden wir hoffentlich in einigen Wochen unsere Unterschrift unter den Vertrag setzen.

Bis es soweit ist sitzen wir nicht däumchendrehend in einer Ecke oder Eckkneipe, sondern sind fleißig. Ein Bau will geplant werden. Einige handwerksaffine Menschen gibt es in unserer Gruppe. So können wir auch aus den eigenen Reihen die Bauleitung stellen. 3 Menschen aus dem Projekt werden sich den Bauleitungs-Hut und dann bald auch den Helm aufsetzen. Die Bau-AG besteht aus noch ein paar mehr Menschen. Diese sitzen momentan sehr viel mit rauchenden Köpfen beisammen. Da geht es um Böden, Fenster, Fassaden, Balkone. Partner_innen und Fachleute für die Zuammenarbeit werden gesucht. Mit Dachdeckern, Klempnern und co. wird das Haus begangen.

Baupläne
Und Baupläne werden gezeichnet. Die Küche hier hin oder dort hin, kann diese Wand rausgenommen werden oder fällt dann das Haus in sich zusammen? Und was machen wir mit den Toiletten im Hausflur zwischen den Etagen? Fragen über Fragen, aber spannend ist es auch. Wir werden wohl in diesem Prozess so einige Fehler machen und dann von diesen Fehlern lernen. So ist das -Trial and Error. Aber wir haben schließlich eine Idee für die sich das lohnt. In der gemeinsamen Haussuche und in Gruppenprozessen konnten wir uns jetzt schon 3 Jahre erproben, jetzt wird gemeinsam gebaut. Eine aufregende, arbeitsintensive Zeit steht an. Aber die tolle Gelegenheit, ein Haus für über 20 Menschen schön und lebenswert zu gestalten und darüber hinaus Projektflächen zu bespielen bekommt man ja auch nicht alle Tage.

Soli-Gelder
Auch haben wir erste Soli-Gelder gesammelt für unsere Idee einige Zimmer oder eine Wohnung Refugees zur Verfügung zu stellen. Nächste Schritte werden sein zu versuchen, hierfür Unterstützung von einer Stiftung o.ä. zu erhalten. Ein Anspruch unserer Gruppe ist es, unsere doch sehr privilegierte gesellschaftliche Position auch mit Menschen zu teilen, die häufiger Steine in den Weg gelegt bekommen, in diesem Fall wenn es darum geht Wohnraum und Möglichkeiten zur Teilhabe zu erhalten.

In den letzten Wochen sind noch ein paar weitere Menschen von Sol in Leipzig gelandet. Nach und nach kehren wir also Berlin den Rücken und wagen den Sprung ins Unbekannte. Langweilig wird uns mit Sicherheit nicht so schnell werden.


Auch brauchen wir in nächster Zeit ein paar Helfer_innen, denn viele Hände bauen ein Haus.

Wir informieren euch bald wieder über unseren Stand. Dann haben wir vielleicht einen Vertrag unterschrieben und Muskelkater von der Baustelle. Die Daumen sind gedrückt!