Eine Hauspost

Zwischen Bauschutt, Organisationstalent und der Suche nach neuen Mitbewohnis hier mal wieder eine Hauspost.

Das Jahr ging trubelig los. Wir haben viel Sekt getrunken. Am 15. Januar ging endlich das Haus am Ende der Georg-Schwarz-Straße in den Besitz der Sol-Leipzig GmbH über. Unser jüngster Mitbewohni hat (mit kleiner Unterstützung von seinem Papa) das Absperrband, das wir der Feierlichkeit halber aufgehängt hatten, durchgeschnitten. Danach Jubel, Sektdusche, ein paar Freudentränen. Ein Hausrundgang, durch unser Haus in dem man es aber aufgrund eisiger Temperaturen noch nicht so gut aushalten konnte.

Kurz darauf ging es dann auch schon los. Eine Bau-Ag gründet sich. 3 Menschen aus dem Projekt stellen zunächst die Bauleitung. Diese plus 4 weitere Menschen finden sich als Bau-Ag zusammen. Das Team ist komplett und wird so gut es geht von Bauhelfer_innen unterstützt. Dann also ran an die Arbeit!

Und das passiert. Die erste Aktion, die glücklicherweise schweißtreibend ist (draußen ist es immer noch sehr kalt), ist die Gartenrodung. Da taucht unter einer dicken Schicht aus Efeu und anderem Gehölz eine Terrasse auf, die circa die Hälfte unseres Gartens ausmacht. Ohne den halben Wald sieht dieser auch gar nicht mehr so klein aus. Ein Kompost-Klo wird geliefert, das von den umliegenden Häusern aus gut einsichtig ist, aufgrund seines Glasdachs. Naja, dumm gelaufen, dann lernen uns wenigstens die Nachbarinnen und Nachbarn einmal kennen.

Das Nachbarinnen und Nachbarn-Kennenlernprojekt sind wir dann auf anderem Wege auch bald angegangen. Mit Infoblättern haben wir Klinken geputzt, uns vorgestellt, erste kurze Gespräche geführt. Die Resonanz war überwiegend eine positive. „Schön, dass da endlich mal was passiert in dem Haus“, „Stand ja lange genug leer“. Und auch mit der Bäckereifachverkäuferin, die in der Bäckerei unmittelbar neben dem Haus arbeitet, haben wir bald einen sehr guten Kontakt, da wir zu Stammkund_innen werden die sich mit Kaffee, Pfannkuchen und Streuselkuchen eindecken. Ohne Mampf kein Kampf!

Währenddessen ist die Bau-Ag am rotieren: So eine riesen Baustelle will gut vorbereitet sein. Baustrom und -wasser werden installiert. Das Büro wird eingerichtet. Ein Ofen funktionstüchtig gemacht um über die letzten kalten Wochen zu kommen. Und dann der Papierkrieg: Allein um einen Container für den Bauschutt zu bekommen müssen ewige Formulare ausgefüllt und Telefonate geführt werden. Die Absurdität der deutschen Bürokratie wird langsam aber sicher deutlich. Aber es klappt und wir können kurz darauf mit der Entrümpelung beginnen. Wir errichten ein Kuriositäten-Schrein, da sich in so einem alten Haus neben richtig viel Müll auch eine ganze Menge lustiger Dinge finden. Das Highlight: im Keller stoßen wir auf Gebisse. Als der erste Schreck überwunden ist, stellen wir fest, dass es sich um Gipsgebisse aus der Zahnarztpraxis, die im ersten Stock war, handelt. Wir stellen sie also auf den Schrein neben alte Schnapsflaschen und DDR-Kinderbücher.

Neben der Baustelle laufen parallel die Vorbereiungen für die Aufnahme ins Mietshäuser-Syndikat (MHS). Mit einer tollen Projekt-Präsentation macht sich eine Autoladung Solis also auf ins schöne Tübingen. Schon wieder ein Ausflug nach Süddeutschland. Schon wieder steht dieser unter einem guten Stern: Alles läuft wie am Schnürrchen und wir sind nun Teil des MHS und somit in einem großen Verband anderer Hausprojekte und Gruppen, mit denen Ressourcen und Wissen geteilt werden kann.

Weiter geht’s im Hamsterrad. Putz wird geklopft, Tapete abgerissen, Müllsäcke geschleppt, Böden geöffnet, Wände eingerissen. Auch dank ein paar Einsätzen mit Bauhelfer_innen aus dem Freundeskreis ist mittlerweile schon einiges getan.

Ende März heißen wir dann unsere neue Mitbewohnerin willkommen: Zora kommt auf die Welt. Sie ist die einzige die es sich erlauben kann ein komplettes Treffen von 3 Stunden zu verpennen. Plenum kann manchmal ja auch echt langweilig sein;)

Auch sonst sind wir gerade im Kennenlernprozess und auf der weiteren Suche nach neuen Mitstreiter_innen und Menschen, die Lust haben mit uns das Haus am Ende der langen Straße zu bewohnen, zu beleben und zu gestalten.

Bis dahin liegt aber noch ein großer Berg Arbeit vor uns.

Die nächsten Bautage werden gerade geplant- wenn ihr von den Terminen erfahren möchtet, meldet euch bei uns, dann setzen wir euch auf unseren Bautage-Emailverteiler.

Auf verschiedenen Ebenen stecken wir also in einer intensiven, arbeitsreichen und lehrreichen Zeit. Viel davon ist Learning by Doing, manchmal auch Trial and Error. Aber wir machen uns bisher ganz gut! Und freuen uns natürlich immer sehr über tatkräftige Unterstützung auf der Baustelle!


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